MARTHA


Romantisch-komische Oper von Wilhelm Friedrich
Musik von Friedrich von Flotow


PREMIERE
29. April 2018 I 19.00 Uhr
Große Bühne

Die deutsche Spieloper war eine Revolution: der Versuch, mit den Mitteln des avançiertesten Musiktheaters – das immer von Mozart herkam – Alltagsgeschichten zu erzählen, leichte Stoffe, Spiel im wahrsten Sinne des Worts, etwas Leichtes, das einen aber dennoch ergreifen konnte, mitnehmen, bewegen. Drei Meister ragen heraus – und nur einer von ihnen ist auch im Ton ganz deutsch: Albert Lortzing. Otto Nicolai bringt dazu sein italienisches Erbe mit und der Mecklenburger Ritter Friedrich von Flotow war eigentlich ganz Pariser (ein Cellist wie Jacques Offenbach), dessen Mitgift die Grazie der Opéra Comique war.

Er hat viele große, auch tragische Opern geschrieben, aber sein Meisterwerk ist doch die Geschichte von der englischen Landadeligen Martha, die sich langweilt und sich aus Spaß gemeinsam mit ihrer Zofe auf dem Mägdemarkt einer nahen Kleinstadt anheuern läßt. Was für die Mädchen ein Spiel ist, wird für die beiden Pächter, die sie engagieren, bald tiefster Ernst: Sie verlieben sich, und das kann bei dieser Ausgangslage nicht gutgehen.

Im England zur Zeit der Königin Anna im 18. Jahrhundert angesiedelt, ist man in der Musik doch sofort nach Frankreich verzaubert. Dann versteht man, daß die Schule der Pariser Grazie hier einem tief sentimentalen Gemüt und einem hellen musikalischen Auge eine Form gab, die ihm einen Welterfolg garantieren mußte, so glücklich mischte sich Instinkt und Konvention. In ihrer Art ist „Martha“ ein Muster der Zeit. Eine Plastik der Szene ist darin, eine Präzision der musikalischen Erfindung im Tanzchor, in der Buffonerie, in der Romanze und im volkstümlichen Schmelz des Liedes, daß sie baulich so fest zusammenhält wie keine zweite Oper dieser Epoche.